EIN ORT FÜR AMBITIONEN

Auf unserer Expeditionsreise um die Welt auf der Suche nach Inspirationen, Trends und anderen Blickwinkeln sind wir natürlich auch im Silicon Valley bei dem wohl einflussreichsten Akteur in der Welt der sozialen Medien vorbeigekommen – Facebook.

Mitten in Menlo Park am Hacker Way 1 haben wir den Facebook Campus (inklusive Instagram) besucht und einen kleinen Blick hinter die Kulissen bekommen. Im Zuge des stetigen Wachstums wurde erst 2015 das von Frank Gehry entworfene neue Gebäude eröffnet. Es gilt mit knapp 40.000 qm als das größte offene Büro der Welt und bietet Platz für rund 2.800 der insgesamt weit über 12.000 Mitarbeiter.

Von vielen der für Mitarbeiter meist kostenfreien Highlights, wie der verlockenden Gastronomievielfalt, einem kleinen Klinikum mit Fachärzten, einer Fahrradwerkstatt, dem Fitnesscenter und zahlreichen Möglichkeiten der Weiterbildung und Selbstentfaltung sowie den Unterhaltungs- und Spielangeboten hat man schon gehört. Zum Service für die Mitarbeiter gehört natürlich auch ein Shuttlebus mit Internetzugang sowie Fahrräder und Elektroautos. Derzeit entsteht in direkter Umgebung ein Wohnkomplex für die Mitarbeiter. Damit wird sicher das private Leben immer mehr mit dem beruflichen verschmelzen, wie wir schon bei unserem Besuch im Airbnb Headquarter beobachten konnten.

Doch was klingt, wie ein Disneyland Resort (übrigens waren tatsächlich Disney-Ingenieure an der Campusentwicklung beteiligt) ist ganz sicher kein Freizeitpark. In allen Gesprächen mit Mitarbeitern und ehemaligen hören wir, dass der Druck hoch ist. Nach einem aufwendigen Einstellungsprozess mit zahlreichen Interviews und Tests werden die neuen Mitarbeiter ohne Stellenbeschreibung eingestellt und zuerst in einer Art Boot Camp auf die Facebook-Welt eingestimmt. Spannend ist, dass die Mitarbeiter hier durch verschiedene Abteilungen gehen und abschließend ihre Position selbst finden sollen. Und zwar indem sie innerhalb dieser Kennlernphase einen Bedarf erkennen, welchen sie mit Ihrem Fachwissen beheben können. Entscheidend ist was jeder Einzelne für Facebook bewirkt und die Unternehmensziele positiv beeinflusst. Denn wenn auch für die Öffentlichkeit nicht immer klar und nachvollziehbar, können wir eindeutig merken, dass das Unternehmen Visionen verfolgt und dafür sorgt, dass alle Mitarbeiter dieses auch tun. So kann man sich an allen großen Fluren Computerzubehör, wie an einem Getränkeautomaten ziehen und muss dazu keine Formulare, Budgets o.ä. beachten. Durch all diese Service- und Entertainmentangebote soll das Arbeitsumfeld so effizient, wie möglich sein damit die Mitarbeiter so effektiv wie möglich Facebook weiterwachsen lassen.

Ein Projekt dieser Visionen ist „free basics“. Es sollte ganz Indien mit kostenfreiem Zugang zu den Basiselementen des Internets, wie Facebook versorgen. Aufgrund der Netzneutralität wurde es seitens der indischen Regierung gestoppt. Doch weiter ist von großen Plänen zu hören, wie Internetdrohnen oder kürzlich veröffentlicht dem Ziel die All-in-One Plattform zu werden. Quasi das Internet im Internet – eine Plattform zum shoppen, chatten, lernen, lesen, spielen usw.

Bei unserem Rundgang besuchen wir auch die riesige Dachterrasse, welche mit Smoothiebar, Sonnenliegen und Whiteboards zum Abschalten, Verweilen oder auch Arbeiten an der freien Luft einlädt. Trotz eines sonnigen Tages sind wir dort fast alleine und erfahren, dass vor allem Mark Zuckerberg hier oft beim Telefonieren gesehen wird. Wieder eine Etage tiefer auf der Bürofläche sehen wir über vielen Tischen Zahlen aus Luftballons flattern, welche die Betriebszugehörigkeit anzeigen. Auffallend ist, dass wir vor allem Einsen und Zweien zwischen dem ambitionierten Treiben der zahlreichen Programmierer, Marketer, Designer und Entwickler aufsteigen sehen.

Auch wir sehen viele der Vorgehensweisen, Motivationen und Ansätze von Facebook sehr kritisch. Ebenfalls ist es richtig, dass Facebook sich zu Fragen diesbezüglich häufig zurückhaltend zeigt. Vielleicht liegt das auch daran, weil sie ihre eigenen Nutzer und deren Verhaltensweisen nur zu gut kennen – siehe Shitstorm. Doch was bleibt ist ein Unternehmen mit einer beeindruckenden Geschichte und großen Visionen. Dass das auch gefährlich sein kann, ist keine Frage doch wie wir damit umgehen, sollte man überdenken und zwar unsere eigenen Visionen stärken und verfolgen. Denn uns hat der Besuch vor allem inspiriert groß zu denken. Für Veränderungen an die man glaubt, braucht man keinen Campus und keine Spielhalle aber man muss anfangen etwas zu bewegen.

PHOTOS BY INSPIRED EXPERIENCE